Camerarius an Unbekannt, 15XX g

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Camerarius an Unbekannt, 15XX k1 März 1546 JL
Camerarius an Unbekannt, 15XX a4 Juni 1544 JL
Camerarius an Unbekannt (Fürst), 15XX20 Juli 1529 JL
 Briefdatum
Camerarius an Unbekannt, 15XX g1 Juli 1546 JL
 Briefdatum
Camerarius an Unbekannt, 15XX j1 April 1547 JL
Camerarius an Unbekannt, 15XX l1553 JL
Camerarius an Unbekannt, 13.12.155713 Dezember 1557 JL
Werksigle OCEp 1276
Zitation Camerarius an Unbekannt, 15XX g, bearbeitet von Manuel Huth und Vinzenz Gottlieb (04.07.2023), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1276
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 522-524
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? ja
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Unbekannt
Datum
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum o.D.
Unscharfes Datum Beginn 1546-07-01
Unscharfes Datum Ende 1546-10-16
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Et loquendi libertatem, et facultatem
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Kriege, Konflikte etc.; Universität (Leipzig); Schmalkaldischer Krieg (1546-1547)
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand unkorrigiert
Notizen [[Notizen::VG (Diskussion) 15:20, 13. Apr. 2023 (CEST)

Umbenennen nach Datum und Empfänger Fabricius? TWs Argumentation finde ich etwas gewagt.]]

Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:VG
Gegengelesen von
Datumsstempel 4.07.2023
Werksigle OCEp 1276
Zitation Camerarius an Unbekannt, 15XX g, bearbeitet von Manuel Huth und Vinzenz Gottlieb (04.07.2023), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1276
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 522-524
Fremdbrief? ja
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Unbekannt
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum o.D.
Unscharfes Datum Beginn 1546-07-01
Unscharfes Datum Ende 1546-10-16
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Et loquendi libertatem, et facultatem
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Kriege, Konflikte etc.; Universität (Leipzig); Schmalkaldischer Krieg (1546-1547)
Datumsstempel 4.07.2023


Überschrieben mit "Amico cuidam". Zielort erschlossen

Regest

Die gemeinsame Freundschaft erlaube C. sowohl die Freiheit zu reden als auch die Möglichkeit, N.s Hilfe mit Rat und Tat in Anspruch zu nehmen. Wie dieser sich erinnern könne, habe C. daher vorgestern vom Recht der freien Rede Gebrauch gemacht, nun möchte er Folgendes hinzufügen. C. hoffe, dass er nicht zu harsch gesprochen habe. C.‘ Meinung sei einfach, aber wahr und richtig; viele hätten sie schon bei gefälligen Unterhaltungen gehört:

Es sei kein Wunder, dass vergeblich die Ursachen dieses verderblichen Krieges wieder und wieder diskutiert oder seine Veranlasser angeklagt würden; aber alle sollten lieber jede Hilfeleistung erbringen, damit ein Heilmittel für dieses Übel gefunden werde. Denn wenn ein Feuer ausgebrochen sei, eile man ja auch eher zum Löschen, als Zeit durch das Suchen der Schuldigen zu verschwenden. Wenn sich also die Fürsten im Geiste zusammenschlössen und wenn die Höfe nur auf den Staat Rücksicht nähmen, dann könnte vielleicht Abhilfe geschaffen werden. Aber das sei nur ein Wunsch. Was bleibe, sei das Bewusstsein des Zorns Gottes und seiner Strafe für unsere Vergehen. Das beste wäre es, diese Übel nicht durch eigene Ungeduld und Widerspenstigkeit zu verschlimmern, sondern sich der göttlichen Allmacht demütig zu unterwerfen. Aber das sei genug der Rede.

Was aber solle C. über jenen auserlesenen jungen Mann (M.) schreiben, über den C., als sie damals gemeinsam in der Schule herumgingen, erzählte. Er leugne nicht nur hartnäckig, jemals im Haus des gemeinsamen Freundes (F.: Wolfgang Meurer?) in dessen Abwesenheit gewesen zu sein, sondern sogar, auch nur in die Nähe gekommen zu sein. C. frage sich nun, was er tun solle. Er wolle die Angelegenheit so regeln, dass F. davon nicht wie üblich sehr erregt werde, wie es seine Art sei. Überhaupt habe er geplant, ihn in Gewahrsam zu nehmen, aber M.s Rede habe ihn (C.) so besänftigt, dass er ihn freigelassen und ihm befohlen habe, bei Anordnung sich wieder bei ihm einzufinden. C. schicke N. in diesen schwierigen und ernsten Zeiten einige Albernheiten und Possen; dennoch sorge sich auch C. um den Freund, der ja auch N. sehr lieb sei. Beim nächsten Treffen sollten sie etwas dazu beschließen – und es sei notwendig, dass dies schnellstmöglich geschehe. Bitte um Verzeihung für die Länge des Briefes, die C. nicht beabsichtigt hätte.

(Vinzenz Gottlieb)

Anmerkungen zur Datierung

  • C. schreibt hier als Inhaber eines Amtes, das ihn zur Inhaftierung eines Studenten befähigt. Er ist also Rektor. Gleichzeitig tobt ein Krieg. C.' zweites Leipziger Rektorat im Sommersemester 1546 war das einzige in Kriegszeiten.
  • Der Brief entstand, nachdem C. den Beginn des Krieges wahrgenommen hatte, und vor dem Ende seines Rektorats, also zwischen Ende Juni und dem 16.10.1546. (Hinweis von Torsten Woitkowitz)
  • In den Acta Rectorum (vgl. Zarncke 1859, S. 303f) wird über häufige Diebstähle unter C.' Rektorat berichtet, weshalb der Student Martin Zobel inhaftiert und verhört wurde. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zu den hier geschilderten Ereignissen. Außerdem kam es am 11.11. zum Einbruch betrunkener Studenten in ein Bürgerhaus (vgl. ebda., S. 304). Dies fällt aber nicht mehr in C.' Rektorat.

Anmerkungen

  • Camerarius hielt sich mit dem Briefpartner in einer bestimmten Schule auf. Das war nicht die Leipziger Universität, sondern eine auswärtige Schule.
  • Damit kommen nur die Fürstenschule (Meißen) und Fürstenschule (Schulpforta) in Frage. Zunächst erfolgte Anfang August 1546 die Visitation in Meißen, darauf die in Pforta. Vgl. Camerarius an Fabricius, 05.08.1546. Der Briefpartner ist wohl einer der Schulleiter, also Georg Fabricius oder Cyriacus Lindemann. Da für 1546 keine Korrespondenz mit Lindemann ediert wurde, ist wohl Georg Fabricius der Briefpartner.
  • Vorausgegangen war ein persönliches Treffen: Anfang August 1546 in Meißen bei der Visitation der Fürstenschule, die spätestens am 4. August zu Ende war. Die erste Rückmeldung zum Besuch in Meißen bei Fabricius scheint OCEp 0851 zu sein. Damit wird vorliegender Brief später geschrieben worden sein, frühestens am 06.08.1546.
  • Der Beinahe-Arrestant war möglicherweise Georgs Bruder Blasius Fabricius. Zu dessen Charakter vgl. www.aerztebriefe.de/id/00034785 = Baumgarten-Crusius 1845, Nr. XXIX, S. 29-30.

(Wir danken Torsten Woitkowitz, Leipzig, für diese Hinweise.)