Camerarius an Stramburger, 26.07.1547

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
Camerarius an Stramburger, 13.04.154513 April 1545 JL
Camerarius an Stramburger, 2. Hälfte 15451545 JL
Camerarius an Stramburger, 15441544 JL
 Briefdatum
Camerarius an Stramburger, 26.07.154726 Juli 1547 JL
 Briefdatum
Camerarius an Stramburger, 04.10.15474 Oktober 1547 JL
Stramburger an Camerarius, 15.11.154715 November 1547 JL
Werksigle OCEp 0569
Zitation Camerarius an Stramburger, 26.07.1547, bearbeitet von Manuel Huth, Maximilian Wolter und Vinzenz Gottlieb (29.06.2023), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0569
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1583
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 145-148
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen Woitkowitz 2003, S. 175, Nr. 15c (Teildruck und -übersetzung)
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johann Stramburger
Datum 1547/07/26
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum ermitteltes Jahr lt. Woitkowitz 2003, S. 175 (Im Druck fälschlich: 7. Cal. VIlis 1548)
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Nürnberg
Zielort Leipzig
Gedicht? nein
Incipit Quo te fuisse occupatiorem intelligo, vir clarissime
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Belagerung Leipzigs (1547); Universität (Leipzig)
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:HIWI7; Benutzer:VG
Gegengelesen von Benutzer:US
Datumsstempel 29.06.2023
Werksigle OCEp 0569
Zitation Camerarius an Stramburger, 26.07.1547, bearbeitet von Manuel Huth, Maximilian Wolter und Vinzenz Gottlieb (29.06.2023), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0569
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1583
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 145-148
Sonstige Editionen Woitkowitz 2003, S. 175, Nr. 15c (Teildruck und -übersetzung)
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johann Stramburger
Datum 1547/07/26
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum ermitteltes Jahr lt. Woitkowitz 2003, S. 175 (Im Druck fälschlich: 7. Cal. VIlis 1548)
Sprache Latein
Entstehungsort Nürnberg
Zielort Leipzig
Gedicht? nein
Incipit Quo te fuisse occupatiorem intelligo, vir clarissime
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Belagerung Leipzigs (1547); Universität (Leipzig)
Datumsstempel 29.06.2023


Entstehungs- und Zielort ermittelt.

Regest

Er stimme Stramburger zu, dass die Menschen eher sich selbst als anderen zürnen sollten. Den Zorn Gottes hätten sie gegenwärtig alle miteinander auf sich gezogen. Falls der Amtmann (praefectus) am Freimut seines Briefes (Camerarius an Karlowitz, 22.05.1547) Anstoß genommen habe, bitte Camerarius als Akademiker um Verzeihung. Die Akademiker seien nämlich eine sich frei äußernde Gruppe, und, wie auch schon Plinius gesagt habe, die unschuldigste. Dass er dem Amtmann gegenüber Anschuldigungen geäußert habe, sei nur geschehen, um ihn in diesen schweren Zeiten auf Probleme hinzuweisen. Er sei zuversichtlich, dass er es ihm noch rechtmachen könne.

Stramburgers Vorhaben wünsche er gutes Gelingen, den Räten aber göttlichen Beistand. Wenn ihr beider Freund bei Stramburger angekommen sei, werde dieser ihn sicherlich in aller Form bei sich aufgenommen haben. Er lasse ihn grüßen, falls er noch dort verweile. Camerarius wünsche sich, dass er tatsächlich (nach dem Ende der Notlage Leipzigs im Krieg) zurückkommen könnte, wie Stramburger ihn ermuntere. Während Stramburger berichte, daß die Plage (der Soldaten) wie eine Seuche inzwischen anderswohin gezogen sei, werde Camerarius von anderen berichtet, daß die Lage noch unverändert sei. Camerarius habe keine Angst, doch sein Beitrag könne nur ein geringer sein, den er freilich zu leisten bereit sei. Stramburger möge allerdings auch bedenken, dass Camerarius Vater mehrerer Kinder sei und zwar nie danach gestrebt habe, ihnen viel zu hinterlassen, wohl aber das, was er bereits von seinen Vorfahren geerbt habe. Jetzt habe die Unruhe, verursacht durch das durchmarschierende Heer, seine Pläne im Ansatz aufgehalten. Außerdem würde er bei seiner Rückkehr seine Familie zurücklassen müssen, was Stramburger ihm sicher nicht zumuten würde, denn sein Herz sei ja nicht aus Stahl (οὐ γάρ τοι νόος ἐστὶ σιδήρεος, ἀλλ᾽ ἐλεήμων, angelehnt an Hom. Od. 5, 191). Und wenn er dort (in Leipzig) also nicht von großem Nutzen sein könnte, würde er lieber gar nicht zurückkehren. Falls sich dadurch ein Nachteil für die Universität entwickeln könnte, wünsche er sich trotzdem, nicht sofort zur Rückkehr gezwungen werden. Immerhin sei er bereit, die priaten Belange den öffentlichen unterzuordnen.

In bezug auf den schon entstandenen Schaden sei er nicht so naiv, zu glauben, er könnte etwas erreichen. Er sei zufrieden, wenn es gelänge, dass (nur) seine Gehaltszahlung ausgesetzt bleibe (stipendium pendi). Über das Restliche, bei deren Gedanken er schon schaudere, wolle er nicht schreiben. Er leide derzeit auch an einem Fieber.

Valentin Bapst empfehle er Stramburgers freundschaftlicher Fürsorge an. Er solle für diesen beim Bürgermeister sein Wort einlegen. Grüße von seiner Familie an Stramburger, seine Frau (Margarete Mardersteck) und seine Kinder.

D. Io. Knitlingus (s. Anm.) habe ihm einen herzlichen Gruß nach Nürnberg ausgerichtet. Lebewohl.

(Maximilian Wolter)

Anmerkungen

  • Io. Knitlingus: Es kann sich nicht um den bekannten "Dr. Faustus" (https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Georg_Faust) handeln, da dieser bereits um 1540/41 verstorben war. Wahrscheinlich handelt es sich um den Juristen Joachim von Kneutling.
  • Zu den Unstimmigkeiten mit Karlowitz siehe die Briefe Camerarius an Karlowitz, 22.05.1547 und Stramburger an Camerarius, 15.7.1547 (München, BSB, Clm 10360, Nr. 55).
  • "Ihr beider Freund": möglicherweise auch hier Philipp Melanchthon. Dieser hielt sich Ende Juli wahrscheinlich in Leipzig auf (MBW, Nr. 4817.)
  • Der vorliegende Brief ist eine Antwort auf den Brief von Stramburger vom 15. Juli 1547 aus Leipzig an Camerarius in Nürnberg (Kodex München, BSB, Clm 10360, Nr. 55; Auszug bezüglich Christoph von Karlowitz in Woitkowitz 2003, S. 175, Nr. 15b). Darin heißt es am Briefende zu Melanchthon, womit dessen Erwähnung im vorliegenden Brief gesichert ist: "Philippus principis literis in hoc accersitus vt in restaurandis Ecclesiis et scolis nostros iuvet Cras cum principe Anhaldino huc venturum speremus. Non possum plera, propter conventum procerum qui hic iam habetur."

(Für die Hinweise danken wir Torsten Woitkowitz, Leipzig)