Camerarius an Micyllus, nach 09.08.1540

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Briefe mit demselben Datum
Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Micyllus an Camerarius, 07.06.15XX1533 JL
Micyllus an Camerarius, Hessus und Roting, 15261 Mai 1526 JL
 Briefdatum
Camerarius an Micyllus, nach 09.08.15409 August 1536 JL
 Briefdatum
Camerarius an Micyllus, 25.10.153625 Oktober 1536 JL
Camerarius an Micyllus, 15371537 JL
Camerarius an Micyllus, 04.01.15374 Januar 1537 JL
Werksigle OCEp 0450
Zitation Camerarius an Micyllus, nach 09.08.1540, bearbeitet von Manuel Huth, Michael Pöschmann und Vinzenz Gottlieb (26.06.2023), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0450
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae doctorum, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. T3r-T4v
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Jakob Micyllus
Datum
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum o.D.; ermitteltes Datum: nicht allzu lange nach 09.08.; zum Jahr s. Hinweise zur Datierung
Unscharfes Datum Beginn 1536-08-09
Unscharfes Datum Ende 1541-09-03
Sprache Latein
Entstehungsort Tübingen
Zielort Frankfurt am Main
Gedicht? nein
Incipit Tuae mihi litterae, nescio quo tabellario afferente ad V. Id. Sextilis redditae fuere
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Biographisches (Universitätswesen); Biographisches (Stellenangebote und Berufungen)
Handschrift nicht gesehen
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen MH an US: Unsicher: Denn da Micyll nach einem dauerhaften Wohnsitz suche, wäre es doch schicklich, dass Camerarius ihn vorher darauf hingewiesen hätte, wenn sich hier (in Tübingen) etwas (Negatives) ereignet habe, bevor er ihn zur Annahme der Stelle dränge. Er sehe es als seine Aufgabe an, es Micyll nicht zu verschweigen, wenn er etwas finde, das seiner Würde abträglich oder zu seinem Nachteil sei, aus vielen Gründen aber glaube er es vermeiden zu müssen, auch noch nach (Gründen für) eine Empfehlung zu suchen.

VG, 11.1.23: Ich bin der Überzeugung, dass es hier um die Berufung des Jahres 1536 geht. Deshalb sind einige Punkte zu ändern:

  • Die Berufung des C. nach Sachsen bezieht sich nicht auf Leipzig, sondern auf Wittenberg. Dorthin wurde er ja ständig berufen (z.B. MBW 1859).
  • Die frühere Berufung des Micyllus zu C.: OCEp 0449 --> siehe Notizen dort: 1533, bezogen auf eine Berufung nach Nürnberg (auch MBW 1305.4).
  • Aktuelle Berufung MBW Nr. 1796.2, 1824, 1919.3, 1951.
  • C. sucht einen Lateinlehrer und Vorsteher des Pädagogiums. Nach Micylls Ablehnung tritt Matthias Garbitius die Aufgabe an (Vgl. Hofmann 1982, S. 14, 129).
  • Zielort: Heidelberg (dort war Micyll 1533-37 Professor).
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:HIWI4; Benutzer:VG
Gegengelesen von Benutzer:US
Datumsstempel 26.06.2023
Werksigle OCEp 0450
Zitation Camerarius an Micyllus, nach 09.08.1540, bearbeitet von Manuel Huth, Michael Pöschmann und Vinzenz Gottlieb (26.06.2023), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0450
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae doctorum, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. T3r-T4v
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Jakob Micyllus
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum o.D.; ermitteltes Datum: nicht allzu lange nach 09.08.; zum Jahr s. Hinweise zur Datierung
Unscharfes Datum Beginn 1536-08-09
Unscharfes Datum Ende 1541-09-03
Sprache Latein
Entstehungsort Tübingen
Zielort Frankfurt am Main
Gedicht? nein
Incipit Tuae mihi litterae, nescio quo tabellario afferente ad V. Id. Sextilis redditae fuere
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Biographisches (Universitätswesen); Biographisches (Stellenangebote und Berufungen)
Datumsstempel 26.06.2023


Entstehungs- und Zielort ermittelt.

Hinweise zur Datierung

Terminus ante quem: Der Brief ist während der Zeit entstanden, als Camerarius in Tübingen war, d.h. vor seiner Berufung nach Leipzig (am 3.9.1541). Camerarius erwähnt auch Gerüchte, dass man ihn nach Sachsen berufen wolle, weiß aber noch nichts Konkretes. Es muss sich nicht um die Berufung nach Leipzig 1541 handeln: möglich ist auch eine Berufung nach Wittenberg, wie Melanchthon sie häufiger ausgesprochen hat (vgl. MBW-Regesten Nr. 1732 und OCEp 0436). Somit ist eine Datierung ab 1536 möglich.

Regest

Camerarius habe den Brief Micylls durch irgendeinen Boten am 9. August erhalten. Micyll hatte in dem Schreiben mitgeteilt, dass die beiden Briefe angekommen seien, wegen deren Zustellung Camerarius so besorgt gewesen sei. Sie hätten nämlich nicht in andere Hände fallen dürfen. Zudem habe Camerarius durch die Gewissenhaftigkeit bei der Aufrechterhaltung des Briefkontakts seine enge Freundschaft zu Micyll bekunden wollen.

Micyllus schreibe, Michael (Roting?) habe ihm berichtet, dass Camerarius von den Sachsen (i.e. nach Leipzig oder Wittenberg) berufen werde. Freilich gebe es Gerüchte, die auch bis hierher (nach Tübingen) vordrangen, aber Camerarius wisse nicht, was es damit auf sich habe. Nichts ziehe Camerarius (aus Tübingen) weg und er wolle auch nicht weggehen. Er sei es zwar schon gewöhnt, aber es schmerze ihn, dass es hier sonst niemanden gebe, der den schönen Künsten und Disziplinen so zugeneigt sei wie er selbst.

Der Fürst (Ulrich von Württemberg) sei äußerst großzügig, schäme sich schon längst einiger seiner (früheren) Fehltritte und widme sich der (Reform der) Universität (Tübingen), aber die hiesigen Adligen (nostri proceres) nähmen diese Chance (τὸ παρὼν καιρός) gar nicht wahr.

Er könne sich nicht wirklich Hoffnungen für den Staat (= für das Vorankommen der Universität) machen oder Pläne für sein Privatleben fassen. Denn vieles oder vielmehr alles sei, gelinde gesagt, nur nachlässig betrieben worden, darunter auch jene geheimen Dinge (μυστηριώδη), die er in einem Brief nicht zu erklären wage. Wenn er nur einen Gefährten hätte, mit dem er seine Sorgen oder sein Schicksal teilen könnte, wäre er zuversichtlicher. Aber bisher sei ihm diese Gnade versagt geblieben. Camerarius habe ja schon einmal Micyll zu sich holen wollen (vgl. Camerarius an Micyllus, 04.01.1537), aber obwohl dieser damals nicht völlig abgeneigt schien, hatte er doch in einem Gespräch mit Philipp (Melanchthon) die Sache rundheraus abgelehnt, weswegen Camerarius danach (darüber) geschwiegen habe. Wie Elektra in der Tragödie (des Sophokles) sage, behaupte er (sc. Micyll) zwar auch jetzt, dass er kommen werde, tue aber nichts von dem, was er sage. Camerarius habe sich also, von Micylls Brief angeregt, dazu entschlossen, erneut mit ihm über die Sache (d.h. eine mögliche Berufung) zu verhandeln. Micyll werde sagen: "Warum solltest du das tun? Du weißt ja nicht einmal, was mit dir passieren wird." Im besten Fall allerdings schon - bald werde man mehr wissen -, den er sich so ausmale: Sollte sich Micyllus dazu entscheiden, seine Wirkungsstätte (Frankfurt am Main oder Heidelberg) zu verlassen, ein Leben wie Camerarius (als Universitätsprofessor) zu führen und es mit Camerarius (in Tübingen) zu versuchen, dann werde er hier ein angenehmes und gutes Leben führen können, ebensogut wie anderswo. Camerarius schreibe darüber so wenig, weil er wolle, dass sich Micyll aus freien Stücken entscheide und nicht, weil Camerarius ihn überrede. Denn da Micyll nach einem dauerhaften Wohnsitz suche, wäre es doch schicklich, dass Camerarius ihn vorher darauf hinwiese, falls sich hier (in Tübingen) etwas (Negatives) ereigne, bevor er ihn zur Annahme der Stelle dränge. Er sehe es als seine Aufgabe an, es Micyll nicht zu verschweigen, wenn er etwas finde, das seiner Würde abträglich oder zu seinem Nachteil sei, aus vielen Gründen aber glaube er es vermeiden zu müssen, auch noch nach (Gründen für) eine Empfehlung zu suchen.

Es fehle hier an einem Professor für die lateinische Sprache und an einem tüchtigen und gelehrten Mann, der das Paedagogium leite. Camerarius wolle es nicht hinnehmen, dass diese Stellen weiterhin unbesetzt blieben. Viele Werke, insbesondere seine Verse, bekundeten Micylls Befähigung auf dem Gebiet der lateinischen Sprache. Micyllus wisse, wie sehr ihn Camerarius schätze, und Camerarius habe es auch oft genug zum Ausdruck gebracht. Er wolle niemanden lieber als Micyllus hier (in Tübingen) haben. Sollte Micyllus einverstanden sein, werde Camerarius mit allen Kräften auf seine Berufung hinarbeiten oder selbst den unfruchtbaren Acker (i.e. Tübingen) verlassen. Hoffentlich finde man auch durch Micylls Hilfe einen geeigneten Leiter für das Paedagogium, der ehrlich sei und gute Fähigkeiten als Verwalter habe. Aber darum werde man sich später kümmern. Micyllus müsse nun eine Entscheidung treffen und solle ihm möglichst bald mitteilen, was Camerarius tun solle (i.e. ob er die Berufung Micylls betreiben solle). Lebewohl.

(Manuel Huth / Michael Pöschmann)